04.10.17Berlin-Brandenburg

Was das Lastenrad kann – und was nicht

Mehr Logistik auf zwei Rädern – das ist das Ziel des Senats. Die Transportbranche sieht Probleme, aber auch Chancen

Sind Lastenfahrräder die Zukunft  für den Güterverkehr in der Stadt? Können sie Last- und Lieferwagen ersetzen und für weniger Emissionen sorgen? Darum geht es in einem neuen Film der Fuhrgewerbe-Innung Berlin und Brandenburg und des Verbands Verkehr und Logistik Berlin-Brandenburg (VVL) beide sind UVB-Mitglieder. Schließlich will der rot-rot-grüne Senat vor allem auf das Fahrrad setzen, um die Stau-Probleme der Stadt in den Griff zu bekommen. „Wir sind neuen Dingen offen gegenüber. Wenn ein Lastenfahrrad passt, dann ist es in Ordnung“, sagt VVL-Geschäftsführer Klaus-Dieter Martens. „Es muss natürlich auch betriebswirtschaftlich darstellbar sein.“

Das ist allerdings der Haken. Während Paket-Dienstleister wie UPS schon heute in Berlin auf Lastenräder setzen, vor allem auf der letzten Meile zum Kunden, ist es in anderen Branchen schwieriger. Abfall, Zementsäcke, Baumaterial oder sperrige Güter lassen sich mit Rädern praktisch nicht sinnvoll transportieren. Auch mit Umzugskisten ist es kaum möglich, ebenso mit Lebensmitteln, die dauerhaft gekühlt werden müssen. Zumal viele dieser Güter aus den Logistikzentren im Speckgürtel in die Innenstadt gebracht werden müssen – oft über mehr als 20 Kilometer.

60 Lastenräder ersetzen einen Zwölftonner

Hinzu kommt eine Reihe offener Fragen und Probleme. Um die tägliche Transport-Kapazität eines Zwölf-Tonnen-Lkws zu ersetzen, wären 60 Lastenräder samt Fahrern nötig, rechnen die Transport-Verbände vor. Statt Lohnkosten von 120 Euro pro Tag wären mithin plötzlich 7.200 Euro fällig.

Auch ist unklar, woher die vielen Fahrer kommen sollen, die für einen Einsatz des Lastenrades im großen Stil nötig wären. Schon jetzt fehlen in der Transportbranche Fachkräfte an allen Ecken und Enden. Und auch die Räder selbst gibt es nicht wie Sand am Meer – was derzeit auf dem Markt ist, wird meist im Manufaktur-Betrieb hergestellt.

Immerhin: Wer Lastenräder fahren will, braucht derzeit nicht einmal einen Führerschein. Doch auch das ist ein Problem. „Wer haftet für den Schaden, der durch den Einsatz der Räder selber entsteht?“, fragt Gerd Bretschneider, Geschäftsführer der Fuhrgewerbe-Innung Berlin und Brandenburg. Auch die Sicherheit hochwertiger Waren – Smartphones, PCs, Fernseher – muss gewährleistet sein.

Nur minimale Entlastung

Als Fazit bleibt: Lastenräder sind, Stand heute, nach Ansicht der Transportunternehmen sinnvoll, „wenn in engen Innenstadt-Lagen herkömmliche Fahrzeuge Probleme haben, Parkplätze und Entladestellen zu finden“, sagt Branchenexperte Bretschneider. Das gesamte Lastwagen-Aufkommen in einer Stadt wie Berlin könnten sie derzeit aber nur „minimal“ reduzieren.

Lastenräder – Vision und Wirklichkeit

Lastenfahrräder im städtischen Güterverkehr auf der letzten Meile

© Fuhrgewerbe-Innung Berlin und Brandenburg | VVL Berlin-Brandenburg 2017

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